Ein künstlerischer Spaziergang

Street Art - oder auch Urban Art

Zunächst muss hier das Projekt MURALU erwähnt werden, das zuerst vorgestellt wird.

Danach folgt ein Projekt der Deutschen Bahn, das ohne Zusammenhang mit Muralu im Jahr 2020 das gleiche Ziel verfolgt: künstlerische Gestaltung von kahlen Wänden.

Fassadenkunst - Projekt Muralu

Dieses Projekt wurde vom Wilhelm-Hack-Museum - gefördert durch die BASF SE - im Jahr 2018 als Street-Art ins Leben gerufen und soll die Kunst im öffentlichen Raum Ludwigshafens mit außergewöhnlichen Fassadenmalereien bereichern. Eingeladen zu diesen Projekten sind international erfolgreiche Künstler, aber auch regionale und nationale Größen dieser Szene, die ihre überdimensionalen Werke an kahlen Hauswänden - vornehmlich der größeren Art - präsentieren und damit die Kunst an sich in einer bisher nicht gekannten Form in Ludwigshafen manifestieren.

Muralu ist ein Kunstwort, das sich zusammensetzt aus dem englischen Wort 'mural' (Wandgemälde) und dem Autokennzeichen von Ludwigshafen 'LU'.

Geplant sind  insgesamt zehn solcher Arbeiten, die im Jahr 2021 als Teil einer Ausstellung des Wilhelm-Hack-Museums zur Bedeutung der Straßenkunst im 20. und 21. Jahrhundert einen wichtigen Beitrag leisten werden.

Erste Pioniere sind hierbei:    

  • Die Hafenbetriebe, die ein Gebäude im Luitpoldhafen zur Verfügung stellte (Oktober 2018)
  • Die Sparkasse Vorderpfalz, die sich eine 'Moneybox' (Sparbüchse) auf die Rückseite ihres Gebäudes malen ließ (September 2020)
  • Lokale und regionale Künstler der Street Art-Szene gestalten Wände und Stelen im Ebertpark (Oktober 2020)
  • Eine grüne Hauswand der Wohnungsbaugesellschaft GAG wird märchenhaft (November 2020)

Die Projekte, genauer vorgestellt:

 

Kunst im Hafen

Auftakt der Street-Art-Reihe Muralu, im Oktober 2018

Einem Gebäude der Hafenbetriebe, in dem sich eine Außenstelle der Ludwigshafener Polizei befindet, wurde vom Street-Art-Künstler Augustine Kofie aus Los Angeles ein neues Gewand angelegt!

Kunst an der Sparkasse

September 2020: die MONEYBOX 

An der rückwärtigen Fassade der Sparkasse Vorderpfalz in der Rheinuferstraße gestalteten drei namhafte griechische Künstler ein gemeinsames Projekt, bei dem sie erstmals zusammen arbeiteten:
Parisko Koutsikos und das Kollektiv Blaqk mit Greg Papagrigoriou und Chris Tzaferos (Simek).

Wände und Stelen im Ebertpark

Oktober 2020: 

Im Rahmen des Muralu-Projektes ergab es sich, dass nach langem vorhergehenden Stillstand plötzlich eine Idee geboren wurde: Im ehemaligen "Rosengarten" des Ebertparks dösten vormals von Rosen berankte Wände und Stelen vor sich hin: das schrie geradezu nach "Street Art": malt uns an!

Diesem Ruf folgten einige regionale und überregionale Künstler und machten sich mit Freude ans Werk, wie die Ergebnisse beweisen.

Erfreulich und überraschend dabei: Zwei der Künstler des vorher gezeigten Projekts 'Moneybox' hatten noch etwas Zeit übrig und schlossen sich spontan dieser gemeinsamen Aktion an: deren 'Handschrift' werden Sie sicherlich bei den folgenden Bildern erkennen.

Wir begeben uns hier also in die Gefilde des Ebertparks, wobei wir nicht nur die einzelnen Werke in Augenschein nehmen, sondern auch das Umfeld, in dem sie stehen.

Die Künstler:  Blaqk - Buja - Cose - Czolk - Dome - Limow - Parisko - Richter 

Unter ihren Werken finden Sie Verlinkungen zu deren jeweiligen Pages: man kann dort wirklich nur sprachlos staunen...

Grün, grün, grün ist alles, was ich sehe...

Ab dem 5. November 2020

Diesem Reim aus einem Kinderlied will der Künstler LIMOW einiges abstreichen: Er wird an dieser Hausfassade in der Karlsbader Straße 23, Gartenstadt-Niederfeld, nämlich nur so viel Grün übrig lassen, wie es seine Skizzen vorsehen! Diese Planungen sind von einer Natur, die spielerisch-leicht von besonderen Fantasie-Lebewesen erzählen, und dabei ziemlich ungewöhnlich und damit faszinierend sein werden. Mehr darf ich nicht verraten; Davids Skizzen durfte ich zwar fotografieren, aber nur unter der Auflage, sie nicht vor der Fertigstellung des Gesamtwerkes zu zeigen. Somit verfolge ich fast täglich seine Arbeit und präsentiere erst im Anschluss seine Vorstellungen; das wird sicher sehr interessant!

Ich kann diesen Künstler bei der Entstehung seines Werkes begleiten; das ist  eine einmalige Gelegenheit, Gedanken, Skizzen, Handstriche, Farben und so fort, die zuvor geplant wurden, im Wachsen der Realität zu verfolgen - und damit auch notwendige Korrekturen! Echtes Leben also...

Wer etwas über den Künstler erfahren möchte, wird auf seiner Webseite kaum fündig: Limow agiert zwar äußerst öffentlich, hält sich dabei aber mit privaten Dingen ebenso äußerst zurück. Schauen Sie hier. Dennoch ist er ein sehr offener und angenehmer Mensch! Wohnhaft ist der 1972  in Spanien geborene seit einiger Zeit in Heidelberg, dabei aber englisch-sprechend.

LIMOW: Dieser Künstlername leitet sich ab aus "Living in my own world": Ich lebe in meiner eigenen Welt. LIMOW verarbeitet in seinen Werken Märchen und Erzählungen, stellt Menschen, Tiere und Fabelwesen in surrealen Landschaften dar. 

Titel dieses Werkes: "A Forest: Das Kind": Riesige Wesen schauen auf den kleinen Jungen herab, der mit seiner Katze auf den Bus wartet: wie wir erst am Schluss deutlich sehen werden! *lächl

6.11.

Die groben Umrisse der Figuren werden erstellt. Die mit X gekennzeichneten Flächen werden durch einen jungen Künstler ausgefüllt, der auch bei den Graffiti-Arbeiten im Ebertpark (siehe oben) beteiligt war.

7.11.

Oha! Sind da etwa schon halbwegs deutbare Figuren zu erkennen? Ich meine, einige Ohren um einige Gesichter zu sehen...
David setzt an der Unterseite weitere Hilfslinien.

8.11.

Limow meinte heute scherzhaft, dass er sich wieder einen slave artist (Sklavenkünstler) zugelegt habe! Vor zwei Tagen war es ein junger Mann, heute eine junge Dame.

9.11.

Stückchenweise geht es voran!

11.11.

Allmählich geht es in die Details!

13.11.

Der heutige Artikel ist etwas umfangreicher geworden, denn Limow lud mich auf den Hubwagen ein! Somit sind außergewöhnliche Bilder gelungen; trotz meiner Höhenangst...

17.11.

Sehr langwierige Arbeit: die Gestaltung der Details!

19.11.

Immer feiner wird die Ausarbeitung, und damit das Gesamtwerk immer faszinierender.

21.11.

Man denkt, dass nicht viel passiert ist! Erstens aber gehen Kleinigkeiten nun mal langsam voran, und erschwerend kam hinzu, dass Limow vom leichten Regen verwaschene Stellen ausbessern musste.

23.11.

Unfassbar! Limow wollte eigentlich am 12.11. fertig sein, nach spätestens einer Woche: "This was my plan", so Limow.

Aber wie es nun mal ist im Leben, klappt selten etwas so perfekt, wie man es plant! Heute aber sind die allerletzten Arbeiten abgeschlossen: letzte Fehler bereinigt, noch einige nette Details eingefügt... Erledigt, sollte man meinen. Nur: Limow muss noch einmal kommen, weil sein Signum am Fuß des Werkes noch fehlt!

Jetzt darf ich die Skizze, die mir Limow schon am ersten Tag zeigte, hier einfügen. Wer genau hinschaut, wird kleine Abweichungen erkennen: das sind die Freiheiten, die ein Künstler während seiner Arbeit braucht!


DANKSAGUNG DES KÜNSTLERS

Dear Norbert,

Thank you very much for your fantastic article. Very fresh and real, I wouldn't change anything :).
It was very nice to have you for documentation, you are very committed with your work and clearly you love and respect art, it's been a pleasure to work with you.
I wish you all the best Norbert, we keep in contact!

David

 

Weitere, tiefergehende Informationen zum Projekt Muralu finden Sie auf der Seite des Wilhelm-Hack-Museums

Ein Projekt der Deutschen Bahn zum Thema "Fassadenkunst"

Vorwort

Hier sehen Sie die Ergebnisse einer ganz besonderen Aktion der Deutschen Bahn, völlig losgelöst von dem  Projekt Muralu.

Es ist fast unfassbar, wie man trostlose, unterirdische Gänge in eine Kunstmeile verwandeln kann! Ebenso fast unfassbar ist, welche Kunstwerke hier geschaffen wurden. Man steht davor und fragt sich: wie geht so etwas, "einfach nur" mit Spray? Welche Technik steckt dahinter, welche Künstler sind zu so etwas fähig?

Manchmal zeige ich Ausschnitte, bei denen klar werden soll, wie unglaublich detailiert gearbeitet werden muss, um einen gewünschten Effekt aus der Sicht eines Betrachters so erscheinen zu lassen, wenn dieser das Gesamtwerk aus einiger Entfernung betrachtet.

Großen Respekt vor all diesen Künstlern, und vielen Dank an die Deutsche Bahn, dass sie uns diese Kunstgänge geschenkt hat!

Ein Artikel von Manuel Gerullis, Gründer des Künstler-Kollektivs Buntic-Media

Initiiert von der Deutschen Bahn gestaltete Buntic-Media in einem Kollektiv von 24 Künstlern aus der Region und halb Europa im September und Oktober 2020 den weiträumigen Unterführungskomplex am Hauptbahnhof Ludwigshafen farbenfroh neu. 

Die Künstler verwandelten unter dem Motto "Meeting of Styles" zahlreiche triste und eintönige Flächen mittels der Kraft der Farben in eine lebendige Graffiti-Galerie. Das gleichnamige Graffiti-Festival, kurz "MOS", das seit 2002 weltweit stattfindet und als das größte Festival seiner Art weltweit gilt, wird seit vielen Jahren von Buntic-Media organisiert und genießt weltweite Reputation. So war es naheliegend, im Rahmen der Meeting of Styles-Reihe ein Mini-Meeting zu veranstalten und so den Bahnhof zu beleben.

O-Ton Manuell Gerullis: "Die Kraft der Motive und Farben vermag es, Lebensqualität und Atmosphäre in den urbanen Raum zu bringen, der überwiegend von Monotonie und Eintönigkeit geprägt ist. Die Gestaltung der Bahnhofsunterführung war für uns daher ein sehr reizvolles Projekt. Denn hier konnten wir mit der Graffiti-Kunst eine sterile, leblose Unterführung, durch die Menschen bislang hindurch hasteten in eine lebendige, farbenfrohe Open-Air-Galerie verwandeln, die zum verweilen und betrachten der Bilder einlädt."

Wie viele Arbeitsstunden? Wie viel Material? Wie viele Künstler?

Rund 1.500 Stunden Arbeitszeit
Ca. 400 Liter Wandfarbe
Ca. 1.000 Farbsprühdosen
24 Künstler

Teilnehmende Künstler:

Alien, Koz Dos (Venezuela)
Mate One (Italien)
Sorvy Sovrino, Cany Sanchez (Spanien)
Dirty Six (Frankreich)
Enuf, Friend (Belgien)
Esobe (Polen)
Elevenade (Russland)
Ums (Darmstadt)
C.Saso, Sport (Ludwigshafen/Mannheim)
Smok, Yours, Sqer (Wiesbaden)
Honsar, Cor, Naxos Kolletiv (Frankfurt)
Pern, Kaot (Bielefeld)

Danke, Manuel, für deine Informationen!

Spaziergang durch die künstlerische Unterwelt des Hauptbahnhofes

Links zu den Seiten der Künstlergruppe:     Buntic-Media      Meetingofstyles

Zu einem Zeitungsartikel, auch wenn dieser sehr persönlich ist...Man verzeihe mir, aber ich freue mich einfach darüber!

Nähere Informationen zu den Künstlern

Wird nach und nach ausgeweitet!


 

Alpenlandkulisse von Manuel Gerullis 

 

Der Wiesbadener Manuel Gerullis (49) ist Gründer des Kunstlerkollektivs Buntic Media und rief im Jahr 2002 das Meeting of Styles-Festival ins Leben, das heute zu den wichtigsten Events der Szene zählt. Als Teenager begann er mit illegalen Spray-Aktionen an Zügen oder sonstigen Flächen, heute sprüht er rund um den Globus und wird dabei auch noch bezahlt. Sein Credo: "Ich möchte meine Umgebung unmittelbar mitgestalten, sie mit meinen Bildern bereichern."


 

Pilz- und Tierlandschaft von ESOBE BC 

 

Peter 'Baca' Baczynski (35) ist gebürtiger Pole und verfiel schon als Teenager der "Sucht" der Graffities. Nach einer Zeit des Aufenthaltes in England führte es ihn in die Niederlande, von wo es ihn auch öfter in die benachbarten Länder gezogen hat, um beispielsweise auch Auftragsarbeiten für Privatleute auszuführen, "die es gerne ungewöhnlich und bunt" haben möchten, rund um ihre vier Wände. Andere kahle Fassaden hatte er auch gerne und mit Inbrunst 'aufgewertet'. Sein ganz besonderer Dank geht an Manuel Gerullis, der ihn zu diesem "Sprayertreff" nach Ludwigshafen eingeladen hatte. "Dieses Werk ist komplett 'freehand' gestaltet", betont ESOBE. Und: Es habe länger gedauert als geplant, weil es einen ungeheuren Spaß machte, mit den anderen Kollegen zu plaudern...


 

Winterkälte in Vulkanlandschaft von ENOF 

 

Gaston Jannsen (23) alias ENOF wurde in Peking geboren, hat einen niederländischen Pass und lebt in Belgien. Bei seiner zweitägigen Arbeit hat der Künstler außer den kühlen und warmen Farben auch unterschiedliche Stile verwendet; das kräftige Rot sorgt für einen zusätzlichen Kontrast. Zusätzlich ist sein Faible für die Ölmarei mit in dieses Mural eingeflossen.


 

Expressives Augenpaar von CAYN

 

Der spanische Künstler mit dem bürgerlichen Namen Borja Sanchez (38) hat zwei Tage an diesem Mural gearbeitet, komplett mit der Dose aufgetragen. Cayn lebt und arbeitet derzeit in Berlin; umtriebig und neugierig, wie er ist, hält er es aber kaum länger als zwei Jahre an einem Ort auf, erzählt er: "Mein Leben besteht aus Malerei und Reisen!" Und das alles begann in seinen Teenagerjahren in Barcelona, wo er erstmals 'verschnörkelte Buchstaben' versprühte...

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